top of page
  • Silvio Schneider

Externe Kosten internalisieren


In unserem Wissensbeitrag haben wir erklärt, was externe Kosten sind und wie präsent sie im Umgang mit der Klimakrise sind. Die sogenannte «Internalisierung», also das Verhindern von Kosten für unbeteiligte Dritte, ist aber komplex und kann auf viele verschiedene Arten vorgenommen werden. Im aktuellen Wissensbeitrag schauen wir uns einige Möglichkeiten an und erklären, wie sie funktionieren.


Um die verschiedenen Instrumente zur Internalisierung externer Kosten einfach erklären zu können, verwenden wir dasselbe Beispiel wie im Beitrag zu den Externalitäten selbst.


Eine Textilfirma (Verursacherin) leitet Chemikalien, die bei der Produktion von Textilien entstehen, in ein Gewässer, in dem als Folge davon der Fischbestand zurückgeht. Neben dem offensichtlichen Schaden an Flora und Fauna durch die Chemikalien erleiden beispielsweise auch Fischer (unbeteiligte Dritte), einen finanziellen Schaden, weil sie weniger Fische angeln können. Für die Fischer sowie für die öffentliche Verwaltung, die das Gewässer reinigen muss, entstehen Kosten. Diese Kosten sind externe Kosten, weil sie nicht im Preis des Gutes, also der Textilien, berücksichtigt sind – da die Textilfirma nur ihre betriebsinternen Kosten kalkuliert hat.


Grundsätzlich lassen sich drei verschiedene Kategorien von Massnahmen zur Internalisierung identifizieren. Diese werden im Folgenden mit Beispielen erklärt.


Private Lösungen

Private Lösungen erfordern kein Handeln des Staates. Private Lösungen umfassen unter anderem folgende Beispiele:


Soziale Normen und moralisches Verhalten: Der gesellschaftliche Moralkodex verhindert viele externe Kosten, da wir es beispielsweise für falsch halten, unseren Abfall einfach aus dem Fenster zu schmeissen, oder weil wir freiwillig lieber den Zug als das Flugzeug nehmen. Oder unsere Textilfirma aus dem Beispiel hält es für falsch, ein Gewässer zu vergiften und investiert selbst in bessere Abwasserreinigung.


Verträge: Ebenfalls ohne Eingreifen des Staates funktionieren Verträge, die zwischen den Betroffenen abgeschlossen werden. Gäbe es keine ordnungsrechtlichen Massnahmen (siehe nächster Abschnitt), könnte die Textilfirma die kostentragenden Parteien entschädigen, ohne dass der Staat eingreift.

Wenn die Externalitäten einen grossen Teil der Gesellschaft oder der Umwelt betreffen, können private Lösungen die Kosten oft nicht mehr internalisieren. Ein Eingreifen des Staates wird erforderlich.


Staatliche Lösungen


Ordnungsrechtliche Massnahmen

Bei Fällen, in denen völlig klar ist, dass die gesellschaftlichen Kosten den gesellschaftlichen Nutzen übertreffen, ist es üblich, dass der Staat ein Verbot erlässt. So ist es zum Beispiel bei Strafe verboten, giftige Abwässer in öffentliche Gewässer einzuleiten. Unser Beispiel der Textilfirma wäre also mit einem Gesetz erledigt. So weit, so klar. Geht es aber um Externalitäten beispielsweise des Verkehrs, liegen Kosten und Nutzen viel näher beieinander. Verbote sind hier schwieriger: Freiheit in der Mobilität bringt auch einen grossen Nutzen mit sich und ein Verbot aller Verbrennungsmotoren wäre gesellschaftlich wohl schwer durchsetzbar. Es besteht also ein Bedarf an angepassten/geeigneteren Massnahmen. Das bringt uns zu den marktwirtschaftlichen Anreizen.


Marktwirtschaftliche Instrumente

Die marktwirtschaftlichen Instrumente sind interessant, weil sie versuchen, mit möglichst wenig Einschränkung eine möglichst grosse Wirkung zu erzielen. Aber auch sie brauchen eine gesetzliche Grundlage.


Lenkungsabgaben

Lenkungsabgaben haben das Ziel, das Verhalten der Konsument:innen zu lenken. Sie werden entweder so hoch angesetzt, dass das gewünschte Verhalten erreicht wird, oder aber so, dass der verursachte Schaden abgedeckt ist. Und was geschieht mit den Einnahmen aus den Abgaben? Sie können entweder eine Einnahme für den Staatshaushalt sein, an die Bevölkerung rückerstattet oder aber zweckgebunden eingesetzt werden. So könnte zum Beispiel eine Abgabe auf Flugtickets dazu eingesetzt werden, entweder eine CO2-neutrale Transporttechnologie zu entwickeln oder Klimaschutzmassnahmen zu finanzieren.


Handelbare Zertifikate

Zertifikate geben den CO2-Emissionen einen Preis. Durch ihre Handelbarkeit sollen sie den Ausstoss dort reduzieren, wo es am billigsten ist. Wie funktioniert das genau?

Mit einem Budget wird festgelegt, wie viel CO2 insgesamt ausgestossen werden darf. Firmen erhalten eine begrenzte Anzahl Zertifikate, die sie zum Aussstoss einer bestimmten Menge an CO2 berechtigt. Ist ein Unternehmen nun innovativ und findet Wege, weniger CO2 auszustossen, kann es Zertifikate verkaufen. Das ist lukrativ. Umgekehrt funktioniert der Mechanismus aber auch. Wer mehr CO2 ausstösst, muss CO2-Zertifikate hinzukaufen.



Funktionsweise von handelbaren Zertifikaten


Die beiden Wissensbeiträge zum Thema Externe Kosten und deren Internalisierung mittels Umweltabgaben geben einen kurzen Überblick über das volkswirtschaftliche Konzept und die wichtigsten Lösungsansätze. Es gibt noch weitere Lösungsansätze, die hier nicht erklärt werden. Schlussendlich muss für jede Externalität das passende Instrument gefunden werden – und sowohl für ordnungsrechtliche wie auch marktwirtschaftliche Massnahmen muss in unserer Demokratie zuerst eine politische Mehrheit gefunden werden. Sei es im Parlament oder vor dem Volk. Sicher ist aber: beim externen Effekt der Treibhausgase tun wir gut daran, schnell eine Lösung zu finden, die die Kosten internalisiert. Zum Beispiel über eine Umweltabgabe, die uns unser Verhalten ändern lässt.


 

Weitere Unterlagen zu diesem Thema findest du hier:


🎥 Videos

📃 Artikel, Studien und Literatur

🎧 Podcasts


📃 Die CO2-Abgabe der Schweiz:


📃 Das Emissionshandelssysteme in der Schweiz:


📃 Rückerstattung der Umweltabgabe in der Schweiz:




Quellen:

Mankiw (2018) Grundzüge der Volkswirtschaftslehre. Stuttgart: Schäffer-Poeschel





bottom of page