Towards Digital Sufficiency: Warum digitale Suffizienz jetzt zählt
- One Planet Lab

- vor 7 Stunden
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Die Digitalisierung treibt seit Jahren Innovation und Effizienz voran. Doch immer deutlicher zeigt sich: Fortschritt allein macht unsere Zukunft nicht nachhaltiger. Im Gegenteil: Ohne bewusste Gestaltung kann die digitale Transformation selbst zum Treiber von Umweltbelastung, Ressourcenverbrauch und Ungleichheiten werden.

Das Konzept der digitalen Suffizienz setzt genau hier an. Sie fragt, wie viel Digitalisierung wir tatsächlich brauchen und wie digitale Technologien so gestaltet werden können, dass sie mit möglichst wenig Ressourcen auskommen und zugleich dem Gemeinwohl dienen. Im Kern geht es um eine bewusstere, klügere Nutzung digitaler Mittel, nicht um technologischen Verzicht.
Mit dieser Perspektive rückte unser Event „Towards Digital Sufficiency“ in Zusammenarbeit mit Prototype Fund Switzerland, den Übergang zu einer verantwortungsvollen digitalen Zukunft in den Mittelpunkt. Beiträge von Hannes Gassert, Verena Kontschieder (Prototype Fund Schweiz), einer Videobotschaft von Nationalrat Gerhard Andrey und einer Keynote von Hugues Ferreboeuf gaben dabei wichtige Impulse.
Der digitale Sektor wächst – aber nicht nachhaltig
Wie Gerhard Andrey betonte, wächst die digitale Infrastruktur rasant – jedoch ohne, dass sich Energie- oder Materialverbrauch davon entkoppeln. Steigende Datenmengen, KI‑generierte Inhalte und eine Flut neuer digitaler Dienste treiben den globalen Energiebedarf kontinuierlich nach oben. Schon heute entfallen rund 11 % des weltweiten Stromverbrauchs auf digitale Technologien.
Ein Blick auf die Datenlage
In seiner Keynote zeigte Hugues Ferreboeuf auf, dass:
· Die Emissionen des digitalen Sektors in nur zehn Jahren um 50 % gestiegen sind.
· Der Stromverbrauch von Rechenzentren sich bis 2030 noch verdreifachen könnte.
· Lieferketten intransparent bleiben, während die Marktmacht weniger Tech‑Konzerne weiter zunimmt.
Bleibt alles wie bisher, wird der digitale Sektor bis 2030 rund 7 % der globalen Treibhausgasemissionen verursachen – so viel wie die heutige Autoindustrie und doppelt so viel wie im Jahr 2020.
Von Überfluss zu Suffizienz
Damit eine nachhaltige digitale Zukunft möglich wird, braucht es ein Umdenken – weg von unbegrenztem Wachstum, hin zu einer Digitalisierung, die sich an planetaren Grenzen orientiert.
Zentrale Suffizienzhebel sind:
· Transparenz, um Informationsasymmetrien zu reduzieren
· Stärkung der Nutzer:innen, damit digitale Angebote bewusster genutzt werden
· Begrenzung von Plattformmacht, um faire Märkte zu fördern
· Verbot manipulativer oder süchtig machender Designs
· Energie‑ und CO₂‑Budgets, die Innovation in die richtige Richtung lenken
· Förderung ressourcenschonender Technologien und Geschäftsmodelle
Die Prototypen werden vorgestellt.
Praxisbeispiele: Suffizienz funktioniert
Das Event zeigte auch, dass digitale Suffizienz längst Realität ist. Vorgestellt wurden diese vier Protoypen:
impACT
Verankert klimafreundliches Verhalten durch kollektive Challenges in Organisationen.
QLever Federation
Vermeidet redundante Datenspeicherung, indem grosse Datensätze remote abgefragt werden – ein Schritt hin zu effizienterer Forschung.
WildCamera
Entwickelt nachhaltige, offene Tools zur Wildtierbeobachtung – ressourcenschonend und biodiversitätsfördernd.
Zero-Power Indicator (ZPI)
Ein visueller Indikator, der vollständig ohne Strom funktioniert – ein inspirierendes Beispiel für suffiziente Technikgestaltung.
Fazit
Das Event hat gezeigt: Eine nachhaltige digitale Zukunft ist möglich, wenn wir Digitalisierung nicht als Selbstzweck verstehen, sondern als Werkzeug für eine ressourcenschonende und gerechtere Gesellschaft. Das Konzept der digitalen Suffizienz bietet dafür einen klaren Orientierungsrahmen.
Herzlichen Dank an alle Vortragenden und Teilnehmer:innen!












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