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  • AutorenbildRiccarda Schmid

OFFCUT: eine kreative Antwort auf ökologische Herausforderungen unserer Zeit

In einer Zeit, in der nachhaltige Ressourcennutzung zunehmend in den Fokus rückt, hat sich OFFCUT als kreative Lösung etabliert. OFFCUT hat es sich zur Aufgabe gemacht, Gebraucht- und Restmaterialien vor der Entsorgung zu bewahren und durch den Verkauf in Materialmärkten eine innovative Form der Wiederverwertung zu fördern. In diesem Interview gibt OFFCUT einen Einblick in ihre Ursprünge und Entwicklung im Laufe der Jahre und erzählt von Herausforderungen, Erfolgen und Zielen für eine ressourcenschonende Zukunft.


OFFCUT Materialmarkt Bern

Denise hat unsere Fragen beantwortet.


Denise, wer ist OFFCUT und was macht ihr?


OFFCUT sammelt und verkauft in Materialmärkten Gebraucht- und Restmaterialien wie Holz, Papier, Textilien, die entsorgt worden wären. So werden aus Reststoffen wieder Werkstoffe.

Mit diesem einfachen, aber effektiven Konzept leisten wir einen direkten Beitrag zur Abfallreduktion und Ressourcenschonung.

Woher kommen eure Materialien und was passiert mit dem, was ihr nicht verkaufen könnt?


Viele Abschnitte kommen aus der Industrie oder sind Restposten aus Handwerksbetrieben. Wir nehmen auch saubere Gebraucht- und Verbrauchsmaterialien aus Ateliers oder privaten Haushalten, die im Abfall landen würden. Kriterium für eine Annahme ist die Möglichkeit einer kreativen Wiederverwertung.


Rohmaterial hat kein Ablaufdatum und unser Lager ist sogleich auch die Verkaufsfläche. Manches verkauft sich schnell, anderes Material wartet etwas länger, bis es eine Verwendung in einem neuen Projekt findet.


OFFCUT Materialmarkt Zürich

Wie seid ihr entstanden? Und wie habt ihr euch seither entwickelt?


OFFCUT wurde 2012 von den Gründer:innen Simone Schelker, Tanja Gantner und Lucas Gross als Pilotprojekt lanciert und seit 2013 gibt es den Materialmarkt für kreative Wiederverwertung in Basel. Mit der Unterstützung vom Migros-Pionierfonds, der Teil des gesellschaftlichen Engagements der Migros-Gruppe ist, haben wir ab 2017 während fünf Jahren eine überregionale Netzwerkstruktur aufgebaut. Jeder Materialmarkt wird als eigenständige Organisation geführt (Social Franchising). Mit der OFFCUT Genossenschaft besteht eine nationale Netzwerkorganisation, der alle Materialmärkte angehören. Sie fördert den Austausch unter den Materialmärkten und ist für die gemeinsame Weiterentwicklung von OFFCUT verantwortlich.


OFFCUT wurde vom CE Transition Incubator* unterstützt. Wie hat Euch das Förderprogramm bei der Entwicklung geholfen?


OFFCUT Zürich war 2019 Teil des CE Transition Katalysator Programm. Die Teilnahme an den Modulveranstaltungen und die Begleitung durch einen Coach war in der Aufbauphase eine wichtige Unterstützung für die Erarbeitung und Weiterentwicklung unseres Geschäftsmodells und unserer Organisationsstruktur. Gleichzeitig hatten wir dadurch die Möglichkeit mit anderen gleichgesinnten Initiativen aus der Region Zürich (Revamp-it, Grassrooted, Einmachbibliothek und andere) in Kontakt zu treten und uns zu vernetzen.


*Der CE Transition Incubator ist eines der One Planet Lab Testprojekte.


OFFCUT Materialmarkt Zürich

Was sind die grössten Herausforderungen, mit denen ihr regelmässig konfrontiert seid?


Bei grösseren Spendenanfragen stossen wir immer wieder an logistische Kapazitätsgrenzen. Mehr Nutzungsfläche würden wir wohl alle schätzen.

Da die Materialmärkte noch nicht selbsttragend sind, wäre eine gesicherte Finanzierung für unsere Personal- und Raumaufwände ein grosser Wunsch. So könnten wir unabhängig von Zusatzeinkünften für OFFCUT arbeiten.


Wie definiert ihr Erfolg für euch? Und welche Erfolge konntet ihr bereits feiern?


Wir wollen einen aktiven Beitrag zu einem bewussteren und nachhaltigeren Umgang mit Materialien leisten. Alle OFFCUT Materialmärkte sind Inspirationsort und Austauschplattform für eine proaktive Auseinandersetzung rund um die Themen Ressourcenschonung und Kreislaufdenken.


In diesem Jahr feierte OFFCUT mit einem grossen Fest und DIY-Markt sein 10-jähriges Bestehen in Basel. Seit der OFFCUT-Gründung wurde ein überregionales Netzwerk aufgebaut und mit Zürich, Bern, Luzern und St. Gallen sind 4 weitere Standorte entstanden.


In dieser Zeit konnten wir mit zunehmender Reichweite immer mehr Materialien wieder dem Materialkreislauf zuführen. Unsere Erfolge erleben wir direkt im persönlichen Kontakt mit unseren Kund:innen, die wir für die Weiterverwendung inspirieren konnten.


Workshop im OFFCUT Materialmarkt

Was sind eure Ziele und Visionen für die Zukunft?


Für eine klimagerechte Zukunft sollte es irgendwann genauso selbstverständlich sein, Material zu recyceln und wiederzuverwenden anstelle von neu zu kaufen.


Als zukunftsweisend Vorbilder setzen wir von OFFCUT handlungsorientierte Impulse für einen gesellschaftlichen Wandlungsprozess und inspirieren zu einem nachhaltigeren Lebensstil. In unserer Vision geht die Bevölkerung wie aber auch die Industrie bewusst und verantwortungsvoll mit den vorhandenen Ressourcen um und das Konzept von OFFCUT wird in jeder grösseren Ortschaft umgesetzt.


Was sind die lustigsten/komischsten/speziellsten Materialien, die ihr schon bekommen habt?


Da gibt es sehr vieles wie beispielsweise Knochenschrauben, Deckel von Thomy-Mayonnaise, Rasierpinselhalter, Fingerspitzen aus Kunststoff, Sticker in allen Farben, Spitzenschürzen, PVC-Verpackungsform für die Zäpfchenherstellung am Laufmeter, kiloweise alte Kontrollleuchten in den unterschiedlichsten Farben und Grössen, die eine Frau jahrelang gesammelt hat, um daraus Kunstobjekte zu machen


Weitere Infos zu OFFCUT und die Adressen der 5 Materialmärkte findest du auf offcut.ch.



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