Fast Fashion - Warum es ein Umdenken in der Textilindustrie braucht


Wir befinden uns im Zeitalter der Fast Fashion: Die Trends in der Modebranche wechseln ständig, mehrmals im Jahr kommt eine neue Kollektion raus.Die Preise sinken und die Leute kaufen mehr. So besitzt der Durchschnittsschweizer 118 Kleidungsstücke. 1970 waren es noch 70 Stücke, inklusive Unterwäsche und Schuhe.


Zudem kommen heute jedes Jahr 60 neue Kleider hinzu.Nurdamit anschliessend ein grosser Teilim Abfall landet.Um genau zu sein:40% der eingekauften Stücke werden lediglichzwischen keinbis vier Mal getragen.Dabeibestehen nur 1% der Textilien aus rezyklierbaremMaterial und werdendamit in den Material-Kreislauf zurückfliessen. Diese Schnelllebigkeit der Mode wurde möglich, da die Kleiderin den letzten Jahren sehr günstig geworden sind. Lagen die Ausgaben für Textilien pro Haushalt im Jahr 1950 noch bei 11% des Haushaltseinkommens, machen sieheute nur noch 2% aus (Branchenverband Swisstextil).



Laut einer Studie der Ellen McArthur Stiftung ist die Textilindustrie momentan für 5-10% des weiltweitCO2-Ausstosses verantwortlich. Bis im Jahr 2050 wird dies auf 26% ansteigen – sollte sie sich weiterentwickeln wie bisher. Hinzu kommen Probleme wie giftige Chemikalien und Mikroplastik, die das Wasser verschmutzen, sowie der grosse Wasserverbrauch der Textilindustrie hinzu. Ganz zu schweigen von den schlechten Arbeitsbedingungen, welche in vielen Textilfabriken leider immer noch herrschen.

Es bildet sich nun jedoch ein Gegentrend zur Fast Fashion: Die Slow Fashion. Die Textilwirtschaft soll nicht mehr linear aufgebaut sein, sondern zirkulär. In einem solchen System werden Textilien und Fasern während des Gebrauchs auf einem hohen Niveau gehalten und nach dem Gebrauch wieder in den Wirtschaftskreislauf eingespeist, ohne dass sie als Abfall enden. Das bedeutet jedoch grundlegende Änderungen im gesamten Produktlebenszyklus von Textilien.


Wir sind fünf spannenden Initiativen und Konzepten nachgegangen, die diese Ansätze umsetzen wollen und deren Ziel es ist, eine faire und umweltschonend Modeindustrie aufzubauen.


2nd Peak – ein zweites Leben für Outdoorkleider


Vor knapp einem Jahr, direkt nach dem ersten Lockdown eröffnete Isa Schindler den ersten Secondhand Outdoorshop der Schweiz. «Ich bin selbst am liebsten in den Bergen und leider auch ein bisschen kaufbegeistert. Als mir auffiel, dass ich selber drei Hardshell-Jacken im Kleiderschrank hatte, war ich schockiert und dachte mir, dass ich doch zwei davon an jemanden weiterverkaufen könnte. So entstand die Idee eines Secondhand-Outdoorladen », erzählt Isa die Anfangsgeschichte von 2nd Peak.

Schlendert man durch ihren Laden, fällt es einem manchmal schwer zu glauben, dass dies alles schon getragen sein soll, so neu und schön sehen viele Teile aus. Isa lacht und meint:

«Es gibt hier Jacken, die waren schon auf dem Kilimandscharo»

Überhaupt hat Isa vielfältige Erlebnisse mit ihren Kunden. Es ist schon vorgekommen, dass eine Person alleine ihr über 60 Kleidungsstücke zum Verkaufen brachte. Oder andere Kunden, die von ihren anstehenden Abenteuern erzählen und dafür zum ersten Mal im Leben Wanderschuhe oder Wanderhosen kaufen.


«Zukünftige möchten wir sehr gerne mehr im Miet-, Reparatur und Upcycling-Bereich machen und Workshops zu spezifischen Themen anbieten sobald dies wieder möglich ist. Und falls es klappen würde mit ein oder zwei mehr Läden in der Schweiz wäre das natürlich grossartig», erzählt Isla von ihrer Vision für die Zukunft von 2nd Peak.


Ragfair ein Designerkleid für einen Tag


Im Interview mit Lena und Natalia, den Gründerinnen von Ragfair.


Was genau ist Ragfair?

Natalia: «RAGFAiR.CH ist eine Online-Mode-Mietplattform, die eine innovative und nachhaltige Art des Einkaufens bietet: Kunden mieten die Kleidung, anstatt sie zu kaufen. RAGFAiR fördert die Wiederverwendung von Mode und schafft eine einzigartige Mode-Identität aus hoher Qualität und herausragendem Design. Unsere Kunden können Kleidung, Taschen und Accessoires mieten und verschenken. Wir geben zudem Styling-Beratung per Chat und E-Mail. Wir sind zwar nur digital präsent, bieten aber eine Anprobe zu Hause und eine Geld-zurück-Garantie, damit unsere Kunden sicher sein können, dass das Traum-Kleid gut sitzt. »


Was möchtet ihr mit Ragfair bewirken?

Lena: «Wir möchten Mädchen bestärken, sie in ihren kleinen und großen Momenten unterstützen und ihre alltägliche Reise lebendig und spannend gestalten. Wir geben ihnen die modische Freiheit, weniger zu kaufen, mehr zu tragen und sich cleverer zu kleiden. Wir möchten, dass sie ihre Zeit sparen und Energie für andere tolle Dinge haben. Wir möchten, dass sie nur Dinge kaufen, die sie wirklich lieben, und Geld für das ausgeben, was ihnen wirklich wichtig ist.

Unser Ziel ist es, unser Geschäft auf die nachhaltigste Art und Weise zu betreiben, hochwertiger Designerkleidung ein zweites Leben zu geben, Alternativen zu Fast Fashion anzubieten und Modeabfälle zu reduzieren. »


Erzählt uns eine verrückte Geschichte aus eurem Ragfair-Alltag:

Lena: «Der intensivste Tag war, als Natalia eine Woche vor ihrer Geburt in unserem Popup-Laden arbeitete. Sie richtete den Popup ein, beriet Kunden, machte Fotos – wir dachten alle, dass sie am Ende dieses Tages dort gebären würde. Zum Glück hat sie noch eine Woche gewartet. »


Fashion Revolution – What you wear matters!

Die Fashion-Revolution-Bewegung wurde als Reaktion auf den Einsturz einer Textilfabrik im Jahr 2013 in Bangladesch gegründet. Bei diesem tragischen Unfall verloren über 1100 ArbeiterInnen ihr Leben. Dabei kamen nicht nur die Missstände bei den Arbeitern zu Tage, sondern auch die Intransparenz der Textilindustrie. Denn viele Marken wussten nicht einmal, dass sie in dieser Fabrik produzieren. Das Ziel der Bewegung ist es, diese Transparenz in der Textilindustrie zu schaffen.

Corinna erzählt uns über sich und dem Verein Fashion Revolution in der Schweiz:

«Wir sind ein Team aus ganz unterschiedlichen Personen, die alle verliebt in Mode und Bekleidung sind und gemeinsam die Art und Weise, wie Mode gebraucht und hergestellt wird, transformieren wollen. Man könnte das als Marketing für einen suffizienten Lebensstil bezeichnen. Wir organisieren Events, geben Informationen und verpacken diese in spannende, coole oder sexy Formate. Das machen wir, damit sich mehr Menschen darüber bewusstwerden, wie sie mit kleinen Änderungen und Statements etwas in der Textilindustrie bewegen können. Und auch damit es für «die Guten» in der Modeindustrie, die versuchen alles richtig zu machen, einfacher wird in der Modebranche zu bestehen.»




Munimei oh muni muni mei Macaroni fidschidei …


Als Chloe Mutter wurde, hatte sie zusammen mit Sophia, einer Jugendkollegin, die Idee, einen eignen Online-Shop für Kinderkleider auf die Beine zu stellen. «Als ich selbst Mutter wurde, habe ich gemerkt, wie schnell man immer wieder neue Kinderkleider einkauft. Ich habe dann angefangen, gebrauchte Kleider zu kaufen; häufig fehlte mir dabei jedoch das schöne Einkaufserlebnis – da dachte wir uns, warum entwickeln wir nicht ein eigenes Konzept mit genau diesem Ziel: Ein Kinderkleiderladen, der Secondhand- und Secondseason- Kleider anbietet und bei dem das Einkaufen weiterhin Freude bereitet», erzählt Chloe von den Anfängen von munimei.


«Wir möchten der heutigen Wegwerfgesellschaft eine Alternative bieten – bei der aber das Einkaufen auch weiterhin Spass machen darf, » so erklärt sie das Konzept hinter dem Online Shop. «Zusammengefasst geben wir also mit munimei Kleidern eine zweite Chance, indem sie mindestens ein weiteres Mal getragen werden. Ziel ist es, bereits existierende Produkte in den Umlauf zu bringen, das Secondhand-Feeling zu verbessern und auf eine positive Art und Weise auf nachhaltige Alternativen hinzuweisen. Mit unserem Prinzip bleiben die Kleider in einem ständigen Kreislauf – wo sie doch auch hingehören”, ergänzt Sophia.


«Das lustige Kinderlied «Oh muni muni mei Macaroni fidschidei …» hat sie zum Namen des Kinderkleiderladens inspiriert. “Für uns spiegelt der Name die Unbeschwertheit und Freude am Kind-Sein wider“, so Sophia.

Anderen Personen möchten Sophia und Chloe gerne mitgeben, häufiger zu kaufen, was es schon gibt. Denn neu ist nicht immer besser.


The Pink Sheep – Upcycle, Create, Reuse, Repair: Aus alt mach neu


Leila Hatt, eine der drei Gründer von The Pink Sheep, erzählt uns was sich hinter dem lustigen Namen versteckt.

Wer seid ihr?

Leila: « Marianne Cereghetti, Pascal Düringer und ich haben ein Unternehmen gegründet, das sich zum Ziel gesetzt hat, Zürcherinnen und Zürcher zu einer Verhaltensänderung zu inspirieren, indem sie ihre Kleidung länger tragen und die Mode somit bewusster konsumieren. Wir wollen ein Zeichen gegen die Wegwerfmentalität in der Kleidungsindustrie setzen und somit auch einen kleinen Beitrag gegen die Klimaerwärmung leisten. Viele Kleider werden oftmals unter schlechten Bedingungen, in billiger Qualität und auf Kosten des Klimas produziert. Und wir Schweizer sind leider Weltmeister im Wegwerfen von Kleidern. »


Was macht ihr genau?

Leila: «Wir machen Upcycling und Reparaturen von bestehenden, bereits gebrauchten Textlilien. Wir zeigen, dass Upcycling und Reparatur von Kleidung hochwertig sein können. Dazu geben wir unseren Kundinnen und Kunden die Möglichkeit, durch Workshops und Nutzung unsere Nähmaschinen dies auch selber zu durchzuführen. Wir wollen Mitmenschen zu einer Verhaltensänderung inspirieren, zu einem umweltbewussteren Lebensstil im Bereich der Mode motivieren und für einen nachhaltigeren Umgang mit existierenden Textilien zu bewegen. »


Wie seid ihr auf den Namen eures Konzeptes gekommen?

Leila: «Wir haben uns überlegt, dass wir eigentlich «gegen den Strom schwimmen» in der heutigen Wegwerfgesellschaft. Wir wollten nicht ein schwarzes Schaf sein, sondern unsere Einzigartigkeit positiv ausdrücken, mit ein bisschen Gelassenheit und mit Freude. Aus dem ist das pinke Schaf entstanden. Fröhlich und positiv. Und unsere Produkte symbolisieren dies auch. Alle unsere Unikate sind einzigartig und anders. The Pink Sheep soll nicht nur ein Brand sein, sondern vielmehr ein Symbol für eine nachhaltigere Lebenseinstellung und einen umweltbewussten Lebensstil. In unserem Schaufenster steht dementsprechend ein Schaf. Es gibt Kinder, die jeden Tag vorbeilaufen und dem Schaf immer ein Küssli geben.»