Weniger Werbung, weniger Konsum? Werbefreie Städte als Hebel für Suffizienz
- One Planet Lab

- vor 7 Stunden
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Welche Rolle spielt kommerzielle Werbung für unseren Konsum? Ein Pilotprojekt in Baden zeigt, wie die Bevölkerung auf weniger Werbung im öffentlichen Raum reagiert und welche Debatten werbefreie Städte auslösen.

Plakate an Fassaden, Leuchtdisplays am Bahnhof, grosse Aufkleber an der Tram: Werbung konkurriert im Alltag ständig um unsere Aufmerksamkeit. Goldbach Neo etwa, deren Plakate und digitale Werbeflächen uns in vielen Schweizer Städten begegnen, beschreibt die Wirkung selbst: «Botschaften werden durch gezielte Platzierungen mehrfach präsentiert und bleiben so im Gedächtnis verankert und geben einen Impuls, wenn es zählt».
Kommerzielle Werbung informiert also nicht nur über Produkte. Sie weckt Wünsche und vermittelt Vorstellungen davon, was attraktiv oder erstrebenswert ist. Doch wie gut passen solche Konsumanreize zu einer Gesellschaft, die angesichts der Klima- und Biodiversitätskrise ihren Ressourcenverbrauch reduzieren muss?
Werbung für ressourcen- und emissionsintensive Produkte

Ein Beispiel ist die Werbung für besonders ressourcen- und emissionsintensive Produkte wie Fleisch. Der Bund unterstützt die Absatzförderung für Schweizer Landwirtschaftsprodukte mit öffentlichen Geldern. Für 2026 sind rund 5,3 Millionen Franken für die Absatzförderung von Fleisch vorgesehen, für Gemüse rund 0,9 Millionen Franken. Damit fliessen in die Bewerbung von Fleisch fast sechsmal so viele Bundesmittel.
Auch privatwirtschaftliche Akteur:innen werben für Produkte und Dienstleistungen, die mit erheblichen Treibhausgasemissionen verbunden sind. Einen Einblick gibt der Poster Performance Index (PPI), mit dem die Wirkung ausgewählter Schweizer Aussenwerbekampagnen untersucht wird. Unter den Top-Kampagnen der vergangenen fünf Jahre finden sich etwa McDonald’s, Burger King, Edelweiss, VW und Werbung für konventionelle Milchprodukte.
Was passiert, wenn kommerzielle Werbung verschwindet?
Genau das hat Baden im November 2025 ausprobiert. Während drei Wochen zeigten 13 Plakatflächen rund um den Bahnhof Motive ohne kommerzielle Werbebotschaften. Weitere stadteigene Flächen blieben bewusst leer, sodass der Blick stärker auf den öffentlichen Raum gelenkt wurde.

Eine repräsentative Befragung zeigte: 76 % empfanden die Aktion als positiv und konnten sich eine Regulierung von Werbung vorstellen, allerdings eher differenziert. Statt eines vollständigen Verbots fanden Lösungen mit Ausnahmen etwa für lokales Gewerbe, Kultur oder Vereine mehr Zustimmung.
Die politische Debatte fiel deutlich polarisierter aus als die Rückmeldungen aus der Bevölkerung. Kritiker:innen verwiesen auf die Wirtschaftsfreiheit, mögliche Nachteile für das lokale Gewerbe und den Einsatz von Steuergeldern für das Projekt. Die Kampagne kostete rund 13'000 Franken.
Wollen wir Werbung in unseren Städten? Und wenn ja, welche?
Am 28. September diskutieren wir im Kulturpark Zürich mit unseren Podiumsgästen, wie kommerzielle Werbung unser Konsumverhalten, unsere Vorstellungen von einem guten Leben prägt und was wir aus dem Experiment in Baden lernen können.
Dabei geht es auch um die Frage, welche psychologischen und sozialen Mechanismen unsere Entscheidungen beeinflussen und ob weniger Werbung dazu beitragen kann, Raum für eine suffizientere Lebensweise zu schaffen.




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