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Global Justice Report: Wie Suffizienz zu einem guten Leben für alle beitragen kann

  • Autorenbild: One Planet Lab
    One Planet Lab
  • vor 3 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit
Bild: The Global Justice Project
Bild: The Global Justice Project

Wie können alle Menschen ein gutes Leben führen, ohne die ökologischen Belastungsgrenzen unseres Planeten zu überschreiten? Diese Frage steht im Zentrum der Nachhaltigkeitsdebatte. Denn während weltweit weiterhin Armut bekämpft und Wohlstand geschaffen werden soll, müssen gleichzeitig Emissionen, Ressourcenverbrauch und Umweltzerstörung drastisch reduziert werden. 


Der kürzlich veröffentlichte Global Justice Report versucht, diese Herausforderungen gemeinsam zu betrachten. Statt Klimaschutz, soziale Gerechtigkeit und wirtschaftliche Entwicklung getrennt zu diskutieren, untersucht er, ob und unter welchen Bedingungen sich diese Ziele miteinander vereinbaren lassen. 


Die Autor:innen kommen zu dem Schluss: Ein gutes Leben für alle innerhalb der planetaren Grenzen ist möglich. Die grösste Hürde liege dabei nicht in der technischen Machbarkeit, sondern darin, die politischen Mehrheiten und gesellschaftlichen Bündnisse zu schaffen. 


Denn für ein Leben innerhalb der planetaren Grenzen brauche es drei tiefgreifende Veränderungen: eine schnelle Abkehr von Kohle, Öl und Gas, eine deutliche Verringerung der Ungleichheit von Einkommen, Vermögen und Macht sowie einen grundlegenden Wandel hin zu Suffizienz.

 

Suffizienz als zentrales Element des Wandels 

Während sich die öffentliche Debatte oft um Solaranlagen, Elektroautos, Wasserstoff oder andere technologische Lösungen dreht, rückt der Global Justice Report ein Konzept ins Zentrum, das ausserhalb des akademischen Diskurses bislang deutlich weniger Aufmerksamkeit erhält: Suffizienz.

 

Suffizienz beschreibt im Sinne des Berichts einen strukturellen Wandel von Wirtschaft und Gesellschaft. Dazu gehören kürzere Arbeitszeiten, ein geringerer Ressourcenverbrauch, eine stärkere Ausrichtung auf Bereiche wie Bildung, Gesundheit und Care-Arbeit sowie Veränderungen in Ernährungssystemen und Landnutzung.

 

Damit stellen die Autor:innen auch die Frage nach dem Verhältnis von Wohlstand und Wirtschaftswachstum neu. Die zentrale Idee: Lebensqualität muss nicht von ständig wachsendem BIP abhängen. Auch in materiell wohlhabenden Ländern könne die Lebensqualität weiter steigen, etwa durch mehr Freizeit, bessere öffentliche Dienstleistungen, geringere Ungleichheit, soziale und politische Teilhabe und der Vermeidung von Klimaschäden. 


Wo Suffizienz bereits ausprobiert wird 

Der Global Justice Report entwirft eine grosse Vision und skizziert dafür weitreichende Massnahmen; von einem Global Justice Fund über transnationale Steuern auf sehr hohe Vermögen und Einkommen bis hin zu einer stärkeren Umverteilung von Ressourcen und Chancen.

 

Die Projekte des One Planet Lab zeigen, wie einzelne Bausteine dieser Transformation bereits heute in der Schweiz im Kleinen erprobt werden. 


Wohlstand neu denken 

Projekte wie Zukunft.Bahnhof oder Kardendorf greifen die Frage auf, wie Wohlstand und Lebensqualität neu gedacht werden können, ohne den Ressourcenverbrauch weiter zu steigern. Die Wohngemeinschaften möchten aufzeigen, dass Klimaschutz und Lebensqualität kein Widerspruch sein müssen. 


Einen ähnlichen Ansatz verfolgt die Netto-Null-Nachbarschaft in Zürich. Als Reallabor erprobt sie gemeinsam mit Bewohner:innen, wie ein Alltag innerhalb eines CO₂-Budgets aussehen kann, und macht Suffizienz als gemeinschaftliche Praxis erfahrbar. 


Auch négaWatt stärkt Suffizienz als gesellschaftlichen und politischen Handlungsansatz. Sie vernetzen Akteur:innen und zeigen, wie sich Energie- und Ressourcenverbrauch reduzieren lassen, ohne Lebensqualität einzubüssen. 


Ernährung und Landnutzung neu gestalten 

Mehrere Projekte des One Planet Lab greifen diese Themen auf: Calim verbindet nachhaltige Ernährung mit sozialer Teilhabe, Taste the Future fördert klimafreundliche Ernährung und die Reduktion von Lebensmittelverlusten und Protein Transition Switzerland setzt sich für eine ressourcenschonende Proteinversorgung ein. Plan B(ex), Acker Schweiz und Le Franc Paysan stärken zudem nachhaltige Landwirtschaft, Ernährungsbildung und regionale Wertschöpfungsketten. 


Weniger Ressourcen, mehr Kreisläufe 

Au REverre setzt auf Mehrwegsysteme statt Einwegverpackungen und zeigt, wie sich Ressourcen durch Wiederverwendung einsparen lassen. Die Koalition «Lang leben unsere Produkte!» fördert Reparaturfähigkeit und längere Produktlebensdauern und stellt damit die Frage, wie Konsum vom ständigen Neukauf entkoppelt werden kann. Beide Projekte zeigen, wie ein geringerer Ressourcenverbrauch nicht durch Verzicht, sondern durch eine intelligentere Nutzung bestehender Materialien erreicht werden kann. 


Die Energiewende gemeinsam vorantreiben 

Das Projekt Enessert verbindet die Energiewende mit demokratischer Teilhabe und bindet Bürger:innen aktiv in Entscheidungen über Energieproduktion und Energienutzung ein. 


Neue Narrative für eine andere Zukunft 

Projekte wie $HARE, Second degré, Rethink & React oder Monda Futura entwickeln neue Geschichten, Bilder und Narrative für eine nachhaltige Gesellschaft. Sie schaffen Räume für die Frage, wie eine lebenswerte Zukunft aussehen kann und wie gesellschaftlicher Wandel vorstellbar wird.

 

Wir freuen uns, solche Initiativen auch in Zukunft zu unterstützen! 


Zum Weiterlesen: Für alle, die sich für die akademische Debatte rund um Grünes Wachstum, Degrowth und Suffizienz interessieren, gibt es hier eine spannende Einordnung des Global Justice Reports von Timothée Parrique.

 
 
 
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