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Der Schweizer Overshoot Day – viel zu früh am 13. Mai

Überall im Alltag begegnen wir Ressourcen, die uns unser Planet zum Leben zur Verfügung stellt. Unser Küchentisch stand früher im Wald, unser Frühstück hing an Sträuchern oder wuchs auf Feldern und unser Besteck weilte unter der Erde. Was uns die Erde schenkt scheint unendlich - ist es aber nicht.

Zwar erneuert sich die Natur stetig, aber ihre Regenerationsfähigkeit ist begrenzt. Würden alle Menschen so leben wie Schweizer:innen, hätten wir bereits am 13. Mai all jene Ressourcen verbraucht, die unser Planet innerhalb eines Jahres erneuern kann. Dieses Datum markiert den Overshoot Day der Schweiz und wie unschwer zu erkennen ist: er kommt viel zu früh.


Um die planetaren Grenzen zu achten und das Klima zu schützen, muss der Overshoot Day ans Ende des Jahres geschoben werden. Dazu muss sich noch vieles in unserem Alltag ändern, manches können wir selbst beeinflussen. Bei One Planet Lab und Clima Now werden ressourcenschonende Akteure unterstützt und Lösungen vorangetragen. Gemeinsam haben wir die fünf grossen Ansätze zusammengetragen, wie wir im Einklang mit der Natur leben können, und stellen bei jedem Ansatz ein unterstütztes Projekt vor. Die ersten drei Ansätze sind klimaspezifisch, die letzten beiden genereller Natur.


Klimaspezische Ansätze


Clima Now arbeitet basierend auf drei Hebeln: Um das Treibhaus Erde wieder ins Gleichgewicht zu bringen, gibt es zwei offensichtliche Hebel: Treibhausgas-Emissionen rasch senken und gleichzeitig die Absorption von Treibhausgasen erhöhen, um das Netto-Null-Ziel zu erreichen. Um diese beiden offensichtlichen Hebel wirkungsvoll in Gang setzen zu können, braucht es aber den dritten, übergeordneten Hebel: Die gesellschaftliche Veränderungskraft in Form politischer Rahmenbedingungen sowie eine persönliche und kollektiver Verhaltensänderung. Diese 3 Hebel bilden zusammen den goldenen Dreiklang für Klima-Impact.


Treibhausgasreduktion:


Aktuell werden weit mehr Treibhausgase ausgestossen, als aufgenommen werden können. Um das ins Gleichgewicht zu bringen, gibt es den naheliegenden Ansatz: CO2-Ausstosse zu reduzieren. Hier setzt die Energiewende an: würden wir von fossilen auf erneuerbare Energien umsteigen, könnte fast die Hälfte der CO2-Emissionen eingespart werden (Quelle: SES https://www.energiestiftung.ch/klima.html ).


Clima Now hat deshalb «Energie» als eines ihrer Fokusthemen gemacht und unterstützt verschiedene Projekte und Unternehmen in dem Bereich.


Eines davon ist die Solarvignette: eine solche Vignette kauft man für ein Gerät wie Handy, PC oder Kühlschrank und finanziert dadurch ein Stück Solaranlage, das so viel Energie erzeugt, wie das Produkt eben verbraucht. Momentan deckt Solarenergie kaum fünf Prozent des gesamten Stromverbrauchs der Schweiz. Zusätzlich geht der Stromerlös der gebauten Solaranlagen in die gemeinnützigen Projekte von Solafrica, der NGO hinter der Solarvignette. Das Team der Solarvignette gewann am Clima Now Spotlight Award den dritten Platz.


Treibhausgasabsorption:


Reduktion alleine löst das Klimaproblem nicht. Die Ökosysteme unserer Erde müssen unterstützt werden, indem wir die Emissionen, die sich bereits in der Luft befinden, entfernen. Projekte, die solche Lösungen anbieten, sind über technologische oder ökologische Mittel in der Lage das bestehende CO2 in der Atmosphäre zu absorbieren und langfristig zu binden.

Landwirtschaft ist eine grosse Umweltbelastung, würde aber auch die Chance bieten durch regenerative und nachhaltige Bodennutzung gesunde Ökosystem in den Anbauböden wieder herzustellen und so nicht nur CO2 Ausstosse zu reduzieren, sondern auch zu absorbieren. Hat der Humus im Boden die Möglichkeit zu wachsen und werden Pflanzen langlebig angebaut, können sie CO2 aus der Atmosphäre filtern – unter der Voraussetzung, dass es dann nicht durch Verbrennung wieder freigesetzt wird. SlowGrow ist ein solcher Hof, der sich dem nachhaltigen, regenerativen Umgang mit dem Boden in der Landwirtschaft verschrieben hat. In einem eigenen «Hof Labor» forschen sie an Innovationen auf Bauernhöfen, was sich dann auch auf weiteren Bauernhöfe anwenden lässt.


Gesellschaftlicher Wandel:


Um die Klimaerwärmung zu stoppen, muss der Klimaschutz für alle präsent sein. In Politik und Wirtschaft soll er zuoberst auf der Prioritätenliste stehen. Persönliche und kollektive Verhaltensänderung kann durch Bildung erreicht werden, indem das Problem verständlich aufgezeigt wird und dadurch greifbarer wird.

Climate Fresk arbeitet mit diesem Ansatz. Das ist ein moderiertes Spiel aus 42 Karten und kann als Workshop in Unternehmen oder privat durchgeführt werden. Sechs Teilnehmende setzen sich mit Ursachen und Auswirkungen klimawissenschaftlicher Grundlagen auseinander, basierend auf Berichten des IPCC.


Das Spiel wurde bereits in 50 Ländern auf 35 Sprachen umgesetzt. Climate Fresk gewann den ersten Platz des Clima Now Spotlight Awards 2021 und kann mit dem Gewinn nun in der Schweiz Fuss fassen um seinem Ziel näher zu kommen: eine globale Klima-Bildungsbewegung zu werden.


Allgemeine Ansätze


Kreislaufwirtschaft:


Noch leben wir in einer linearen Wegwerfgesellschaft. Ressourcen werden abgebaut und zu Produkten weiterentwickelt, die nach ihrer Nutzung auf dem Müll landen. Ein ressourcenleichterer Ansatz ist es bereits beim Produktdesign in Kreisläufen zu denken. Biologische Ressourcen wie Baumwolle können so u.a. über den Kompost in den biologischen Kreislauf zurückgeführt werden. Materialien von technischen Geräten freuen sich so nach dem Recycling und dem Aufbereiten über ein zweites und drittes Leben.

1 Millionen Bratpfannen wandern beispielsweise allein in der Schweiz jährlich in den Müll, weil ihre Beschichtung nicht mehr den Ansprüchen genügt. Das Startup Repan hat hierfür die Lösung entwickelt. Anstatt immer neue Pfannen zu produzieren, werden hier alte Pfannen neu beschichtet. Das spart nicht nur Geld, sondern spart auch Ressourcen.





Suffizienz:


Auch wenn Menschen bei kommerzieller Werbung oft Umschalten oder sich anderweitig ablenken, so haben die jahrzehntelangen Bemühungen der Marketingindustrie dafür gesorgt, dass unsere kollektive Psyche denkt, nur durch mehr Konsum könnten wir glücklich werden. Der Suffizienz-Ansatz fördert stattdessen einen bewussteren Konsum. Es geht darum zu hinterfragen, ob man gewisse Produkte wirklich braucht, und ob nicht doch weniger, mehr ist. Ein glücklicheres Leben kommt hier von Innen und nicht durch Besitz.


In der Schweiz wird dieser Ansatz u.a. von Tinybau vorgelebt. Ihre Tiny Häuser werden ökologisch hergestellt, verbrauchen wenig Ressourcen, z. B. durch geringeren Heizbedarf, und bilden eine Basis für suffizientes Leben. Wer weniger Stauraum zur Verfügung hat, denkt länger nach, ob er ein neues Produkt wirklich braucht. Glücklicher ist er so oft auch.



Ein Ansatz reicht nicht aus


Unser Planet versorgt uns in unterschiedlichen Lebenssituationen mit Ressourcen, sei es im Bereich Energie, unserer Nahrungsversorgung, bei Baumaterialien und vielem mehr. Diese Diversität zeugt von dem grossen Potenzial einer Gesellschaft innerhalb der planetaren Grenzen, zeigt aber auch die Schwierigkeit auf, unseren Ressourcenverbrauch nachhaltig zu senken, um dorthin zu gelangen. Es bedarf deshalb der Umsetzung aller fünf vorgestellten Ansätze sowie der Mitarbeit von jedem vom uns. Lasst uns also gemeinsam den Overshoot Day ans Ende des Jahres verschieben.


Quelle: #MoveTheDateSwitzerland


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