• Caroline Mayer

Nachhaltige und zirkuläre Geschäftsmodelle

Nachhaltige Geschäftsmodelle werden aus ökologischen und sozialen Geschäftsideen entwickelt.


Bei nachhaltigen Geschäftsmodellen geht es darum, wie ein Unternehmen Werte für seine Stakeholder schafft, liefert und erfasst, und zwar auf eine Art und Weise, die einen sicheren und gerechten Handlungsspielraum für die Menschheit und alle Lebewesen unterstützt. Nachhaltige Geschäftsmodelle sollen Nachhaltigkeitsinnovationen umsetzen und den Spagat zwischen Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit bewältigen. Durch eine nachhaltige Entwicklung des Unternehmens kann eine positive Verknüpfung zwischen der Entwicklung des Unternehmens, der Gesellschaft und der Umwelt hergestellt werden.


Innovation für nachhaltige Geschäftsmodelle (sustainable business model innovation)

Unternehmen können ihre Nachhaltigkeitsziele nicht nur durch technologische Fortschritte erreichen – sie brauchen auch Innovationen auf der Ebene der Geschäftsmodelle. Es wird immer deutlicher, dass das Erreichen von Nachhaltigkeitszielen nicht nur die Entwicklung neuer Produkte oder die Optimierung von Prozessen erfordert, sondern eine ganzheitliche Veränderung des Wertesystems durch Geschäftsmodellinnovation. Für die Innovation bedeutet dies, dass sie über die wirtschaftliche Leistung hinausgeht und auch soziale und ökologische Aspekte miteinbezieht.


Zunächst müssen die Ziele der Innovation geklärt werden, um Chancen zu erkennen. Was ist das ökologische oder soziale Ziel, und wie hängt es beispielsweise mit der künftigen Wettbewerbsfähigkeit zusammen? Interessengruppen wie NGO, lokale Gemeinschaften oder Unternehmen, die dieselben Probleme haben, müssen in den Prozess einbezogen werden, um die Innovation zu unterstützen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Der WWF hat sich zum Beispiel mit der Swisscom und dem Impact Hub zusammengetan, um den ökologischen Fussabdruck der ICT-Branche zu reduzieren, indem er "Smart Home: Smarte Ideen für ihren Alltag" anbietet. Mehr über dieses Projekt und zur Innovation von Geschäftsmodellen gibt es hier.


Ein weiteres Beispiel ist die Net-Works-Partnerschaft: Die Zoological Society of London, Interface und Aquafil haben sich zusammengetan, um ausrangierte Fischernetze aus dem Meer zu bergen und zu neuen Teppichen zu verarbeiten. Mehr über dieses Projekt gibt es hier.


Zur Erarbeitung einer Nachhaltigkeitsstrategie eignet sich beispielsweise folgendes Vorgehen:

Quelle: Business models for shared value report


Innovation für nachhaltige Geschäftsmodelle ist ein iterativer Prozess; ein Ansatz, bei dem ein Projekt, Produkt oder Vorhaben erstellt, weiterentwickelt und verbessert wird. Bei diesem Prozess wird entwickelt, getestet und überarbeitet, bis das Endergebnis zufriedenstellend ist. Es empfiehlt sich deshalb, frühzeitig mit neuen Ideen und anderen Akteuren Prototypen zu entwickeln, um zu neuen innovativen Lösungen zu kommen.


Der iterative Prozess:

Quelle: Business models for shared value report


Eine Innovation für das Geschäftsmodell kann zu einem suffizienten oder zirkulären Geschäftsmodell führen, wenn der Innovationsprozess von Prinzipien der Nachhaltigkeit geleitet wird.


Suffiziente Geschäftsmodelle (sufficient business models)

Es ist bekannt, dass Unternehmen den Konsum ankurbeln, weniger bekannt ist, dass Unternehmen auch einen nachhaltigen Konsum ankurbeln können und mit nachhaltigen Geschäftsmodellen, ein entscheidender Beitrag hin zu einer suffizienten Wirtschaft leisten können.


Mit dem Business for sufficiency (BfS) framework wurde ein neuer Rahmen entwickelt, der es erlaubt, die verschiedenen Suffizienzoptionen zu kategorisieren, die Unternehmen umsetzen können. Die Matrix ist unten abgebildet.


Der Rahmen des BfS zeigt auf der horizontalen Axe drei Stufen von Konsumveränderung: Rethink, Reduce, Refuse. Die Botschaften vom Unternehmen an den Verbraucher sind: «Überdenken Sie den Konsum – Reduzieren Sie den Konsum – Verweigern Sie den Konsum». Die Botschaft, den Konsum zu überdenken (rethink), fordert die Verbraucher auf, nachhaltiger zu konsumieren, führt aber nicht unbedingt zu einem Konsumverzicht. Strategien zur Verbrauchsreduzierung (reduce) ermutigen Verbraucher dazu, weniger Produkte oder Ressourcen zu verbrauchen. Die radikalste Botschaft, den Konsum zu verweigern (refuse), regt die Verbraucher dazu an, überhaupt nicht zu konsumieren.


Auf der vertikalen Achse sind die vier Ansätze aufgelistet. Weniger Unordnung (less clutter) bedeutet, dass weniger Gegenstände und Ressourcen verbraucht werden, aber auch vereinfachte Produkte mit weniger Materialeinsatz angeboten werden. Weniger Geschwindigkeit (less speed) bedeutet längere Lebens- und Nutzungszeiten von Gegenständen. Weniger Distanz (less distance) unterstreicht die Suffizienzdimension des regionalen oder lokalen Konsums und der entflochtenen Wertschöpfungsketten. Weniger Markt (less market) bedeutet, den Handel zu umgehen, und ermutigt die Verbraucher, am informellen Teil der Wirtschaft teilzunehmen, wie Selbstversorgung oder gemeinschaftlicher Konsum.

Quelle: How can businesses drive sufficiency? The business for sufficiency framework.


In diesem Paper gibt es eine Übersicht zu verschiedenen Suffizienz-Strategien.


Zirkuläre Geschäftsmodelle (circular business models)

Eine Erkenntnis, die sich zunehmend durchsetzt ist, dass der Fortschritt in Richtung Kreislaufwirtschaft radikale Änderungen in den Geschäftsmodellen erfordert – nur so können die Werte und Praktiken einer Kreislaufwirtschaft im Unternehmen etabliert werden und Innovationen mit Fokus auf den Produktlebenszyklus eingeführt werden. Es müssen zirkuläre Geschäftsmodelle entwickelt werden, die auf den Prinzipen der Kreislaufwirtschaft und unter gegebenen Marktbedingungen konzipiert sind. Kreislaufmodelle konzentrieren sich auf die Verengung, Verlangsamung, Schließung und Regeneration von Ressourcenkreisläufen, um Ressourcen zu erhalten, die natürliche Umwelt zu regenerieren und den Klimawandel zu bekämpfen. Mehr zu den vier Strategien Narrowing, Slowing, Closing und Regenerating gibt es hier.


Von zirkulären Geschäftsmodellen wird erwartet, dass sie weniger negative ökologische und soziale Auswirkungen hat. Dies sollte das Resultat eines geringeren Verbrauchs von Neumaterialen und ein verändertes Verhalten von Kunden und Endverbrauchern sein. Die Ansätze der Kreislaufwirtschaft verändern wichtige Geschäftsbereiche wie Ressourcenmanagement, Produktion und Marketing.


In diesem Paper gibt es eine Übersicht zu verschiedenen zirkulären Geschäftsmodelle: Paper von Circular Economy Initiative Deutschland.


Schau dir das Erklärvideo an!

Dieses Erklärvideo ist in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Graubünden und das Institut für Multimedia Production entstanden.

 

Weitere Unterlagen zu diesem Thema findest du hier:


🎥 Videos

📃 Artikel, Studien und Literatur

🎧 Podcasts


🎥 Das Video von Sustainability Illustrated zur Schaffung von Nachhaltigkeit in ihrem Unternehmen


🎥 Das Video von Sustainability Illustrated zu Nachhaltigkeit im Unternehmen


📃 Das WWF White Paper zur Kreislaufwirtschaft


📃 Der Report zu Business models for shared value


📃 Das Paper von Nancy Bocken zu Circular Business Models


📃 Das Paper von Nancy Bocken und Laura Niessen zum Business for Sufficiency Framework


📃 Das Paper von Nancy Bocken und Steve Kennedy Business model innovation for sustainability


📃 Das Paper von Nancy Bocken und Samuel William Short zu Änderungen von Geschäftsmodellen hin zu einer suffizienten Kreislaufwirtschaft


📃 The Sufficiency Economy von Samuel Alexander


📃 Dieser Blog erklärt eine neue Form von Unternehmertum das von Zebra Start Ups implementiert wird.


Im Rahmen dieses Artikels wurde mit Nancy Bocken, Professorin für nachhaltiges Wirtschaften an der Universität Maastricht, Maastricht Sustainability Institute (MSI) gesprochen.